Papas Hobby Nr. 2: Astronomie

letzte Änderung am 18.10.2010
Allgemeines Vixen GPE 114 Sky Watcher 200 Beobach-
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Seit Herbst 2000 bin ich im Besitz eines VIXEN 114 GP E und seitdem fleißig am "spechteln". Fast genau ein Jahr später hat sich der Lichthunger seine Bahn gebrochen und ich habe mir einen 200-mm-Newton der Fa. Antares/Skywatcher zugelegt.

Vielleicht erleichtert es Anfängern die eine oder andere Entscheidung, wenn jemand, der selbst noch nicht allzu lange beobachtet, hier mal seine Erfahrungen mit zwei häufig verwendeten Anfängerteleskopen unter absolut durchschnittlichen Umgebungsbedingungen darstellt.

Beobachtungsbedingungen

Alle Beobachtungen erfolgen, sofern nicht anders vermerkt, vom Balkon oder aus dem Garten eines Kleinstadt-Hauses, bei fehlender Vegetation im Angesicht von zwei Na-Hochdruck-Strassenleuchten. Damit sind die Beobachtungsrichtungen in Ost-West-Achse vorgegeben, Süden geht nur über die Baumwipfel (Fluch und, zumindest im Sommer, auch Segen). Die Beobachtungen fallen also in die Kategorie "Stadt-Astronomie". Die visuelle Grenzhelligkeit an guten Tagen beträgt etwa 4-4,5 m.
Habe mir jetzt (Frühjahr 2001) als Lichtschutz eine "Spanische Wand" aus Leistenrahmen und schwarzer Folie gebaut. Der Erfolg war besser als erwartet, die bescheidene Dunkeladaption, die unter den gegebenen Bedingungen erreichbar ist, geht nicht bei jedem Okularwechsel verloren und das Aufsuchen der Objekte wird deutlich vereinfacht.

Zur Vorbereitung der Beobachtungen verwende ich "Cartes du Ciel", durch die zusätzlich verfügbaren Kataloge aus dem Netz (bei mir Tycho 2) das absolute Non plus Ultra für den Anfänger

VIXEN GP-E 114

900 mm Brennweite, 114 mm (=4,5") Hauptspiegel (f/8) mit


Das Gerät ist mechanisch sehr sauber gearbeitet, der Okularauszug arbeitet ohne Spiel und lässt ein Fokussieren bis 200-fach problemlos zu. Die Original-Okus gefallen mir gut, das kürzlich für DM 100,- erworbene Plössl zeigt dagegen deutlichen "Tunnelblick", soll aber hauptsächlich zum Aufsuchen dienen und ggf. zum Fadenkreuz-Okular umkonstruiert werden.

Das Hartholzstativ trägt das Teleskop und auch einen Fotoapparat sicher. Lediglich der 6x30-Sucher macht seinem Namen alle Ehre und hat mich am Anfang mitunter verzweifeln lassen.

ANTARES "Sky Watcher" 200

1000 mm Brennweite, 200 mm (=8") Hauptspiegel (f/5) mit


Ich habe den den 8-Zöller ebenfalls auf die GP-E gesetzt, muß aber zugeben, daß diese mit dem Gewicht des Teleskops ihre Grenzen bereits leicht überschritten hat. Trotz zusätzlicher Gegengewichte lässt sich das Teleskop nicht mehr in allen Positionen einwandfrei bewegen, es gerät bei dem Versuch, "schnell" zu drehen, in eine Art Resonanzschwingung. Dies ist bei der visuellen Beobachtung, insbesondere beim Aufsuchen, zwar lästig, aber nicht grundsätzlich hinderlich. Dafür macht sich der große Sucher positiv bemerkbar, nur an die veränderte Darstellung gegenüber dem geradsichtigen Teil von Vixen muss man sich gewöhnen.

Die Halterung für das Sucherfernrohr kann nicht mit dem Vixen mithalten, sie besitzt nur zwei Schrauben zum Justieren, die dritte wird durch einen gefederten Bolzen ersetzt. Auch hat bei mir der Winkelsucher nicht in die Halterung gepasst, da war noch einige Feilarbeit nötig, um dem Al-Ring den notwendigen Durchmesser zu geben. Hier ist also bastlerisches Geschick gefragt. Die Rückseite des Fangspiegels ist offen, Hardliner empfehlen hier Schultafelfarbe oder Velours-Papier, ich habe diesen Eingriff bisher gescheut, da ich (mangels Erfahrung ??) noch keine Nachteile beim Beobachten empfunden habe (allerdings habe ich bei den ersten Versuchen der Langzeit-Fokalfotografie gemerkt, wenn direktes Licht auf den Fangspiegel fällt, also werde ich mir etwas einfallen lassen müssen). Bei 300-facher Vergrößerung merkt man, daß der Okularauszug "kippelt", vielleicht lässt sich hier noch etwas justieren.
Nachteile durch den Plate-Glas-Spiegel habe ich bisher kaum bemerkt, an den ersten wirklich kalten Tagen (bzw. Nächten) hat das Scope ca. 10-15 min. benötigt, um brauchbare Bilder zu liefern, damit kann ich leben.

Nachtrag Januar 2002: Ich muss mich etwas korrigieren. In wirklich kalten Nächten (unter -15 °C) braucht das Scope mindestens 30 min.

Insgesamt bin ich mit dem Gerät zufrieden, mehr kann man für diesen Preis nicht erwarten, und man bekommt wirklich schon eine menge zu sehen mit diesem Teil. Ich hoffe, der Lichthunger ist jetzt für eine Weile gestillt.

Fotografisch lassen sich gewisse Eigenschaften etwas "objektiver" beurteilen, und so habe ich den letzten Astrofotos mal ein paar Sterne entnommen:

Stern im Vixen

Aufgenommen mit den N 114, 3 min. ohne Korrektur nachlaufen lassen. Der periodische Schneckenfehler von 15 " ist deutlich zu erkennen Das Bild sieht am Rand der Aufnahme genau so wie in der Mitte aus, d.h. der kleine Spiegel hat kaum Koma.

Stern im Skywatcher, Bildmitte

Aufgenommen mit den N 200, 10 min. mit 1400 mm Nachführ-Brennweite. Die Sterne sind etwa doppelt so gross, aber ohne erkennbaren Nachführfehler.

Stern im Skywatcher, Bildfeldrand

Aufgenommen wie oben, der Stern stammt jedoch vom Rand des Fotos und ist deutlich langgezogen, und zwar in Richtung Bildmitte, d.h. das System weist eine deutliche Koma auf.


Die "Stabilitätsgrenze" für Astrofotografie beträgt (mit dem weiter unten beschriebenen Zubehör)1000 mm, es sind mir auch 1 oder 2 Aufnahmen mit 2000 mm gelungen, aber dies ist nicht stabil reproduzierbar. Damit (und bedingt durch die Fremdlichtverhältnisse) kann ich ohne Filter ca. 15 min. und mit Deep-Sky-Filter bis zu 30 min. belichten. Ich habe eine fotografische Grenzhelligkeit von 15-16 mag, je nach Spektralklasse, ermittelt.

Was man mit den Geräten sieht, und was nicht

ObjektNewton 114Newton 200
MondBis 200-fach einwandfreiBei 300-fach beeindruckend, aber Seeing-abhängig
JupiterBis 100-fach bei allen Bedingungen, 200-fach nur bei gutem Seeing, es ist schon Feingefühl beim Fokussieren notwendig; Die 4 hellen Monde sind und bleiben Punkte, ihre Durchgänge vor dem oder Schattenwürfe auf dem Planeten sind sichtbar, bleiben aber unspektakulär; Großer Roter Fleck wurde noch nicht versucht;200-fach fast immer, unter guten Bedingungen bis 300-fach. Deutlich mehr Details, auch Schatten etc. sind deutlicher zu erkennen. GRF bis jetzt noch nicht identifiziert.
Saturn Im Prinzip wie Jupi, Cassini-Teilung nach den ersten Versuchen fast immer sicher, von den Monden bisher nur Titan;Bei den ersten Versuchen locker bis 300-fach, trotz früher Stunde.
Deep-Sky Hier muss der Anfänger unbedingt vor zu grossen Erwartungen gewarnt werden (bei beiden Geräten !!), aber die Auswahl ist trotzdem riesig. Vorsicht ist vor allem bei den allseits bekannten Objekten einschlägiger Titelseiten geboten.
M 31 bleibt eine einzige Enttäuschung; ausser dem hellen Kern (in Form eines Nebelflecks) ist bei den ersten Versuchen gar nichts zu sehen, später, mit etwas geschärftem Auge, erahnt man etwas von den weiter aussen liegenden Gebieten. Hier macht sich die Lichtstärke deutlich bemerkbar, die GX ist wesentlich grösser, es sind jedoch keine Strukturen zu erkennen.
M 13Bei guten Bedingungen kann man einige Sterne im Randbereich auflösen, der Rest bleibt Nebel, auch bei höherer Vergrösserung.Aahh, daß sieht schon besser aus. Bei ersten Tests unter Vollmond und Schleierwolken starke "Auflösungserscheinungen", fast bis ins Zentrum, wirklich grandios. Bei 150-fach am besten.
M35,
M36,
M37
Absolut empfehlenswert, sehr schön aufzulösende offenen Sternhaufen. Sie waren für mich die absoluten Aha-Erlebnissse, ich habe sie, solange sie in meinen Beobachtungs-Korridor fielen, immer wieder angesteuert. Eine wahre Pracht, kaum noch zu steigern, am liebsten mit einem Großfeldokular und dann IMAX-Kino spielen ...
M 57Planetarische Nebel sind mit einem Gerät dieser Grössenklasse vermutlich immer recht problematisch. Der Ring-Nebel in der Leier geht gerade noch so, bei 100-fach ahnt man, dass es kein vermatschter Stern ist, bei guten Bedingungen ahnt man bei 200-fach einen Ring.Der Ring lässt sich bis 300-fach vergrössern, aber der Zentralstern bleibt verborgen, ebenso die Farben.
M 1 Den Krebs-Nebel habe ich erst im zweiten Anlauf gesehen, obwohl ich schon beim ersten Versuch sicher an der richtigen Stelle war. Er liegt absolut an der Grenze der Wahrnehmung.Hier komm die Öffnung voll zur Geltung, auch bei direktem Sehen lässt sich die Gestalt bereits gut erkennen.

Einen tollen Anblick bietet in jedem Fall und in jedem Instrument M42, der Orion-Nebel. An ihm kann man gut die "Schulung" des eigenen Auges beobachten. Bei den ersten Versuchen sieht man gut die hellen Teile, aber je öfter man M42 beobachtet, um so mehr von den großen Flügeln nimmt man wahr, jedenfalls ging es mir so. Mal sehen, was noch so auftaucht ..


Zum Aufsuchen von Objekten

Eines der grössten Probleme, vor dem ich am Anfang meiner Beobachterlaufbahn stand, war das Aufsuchen der Objekte. In der Literatur und auch im Internet werden immer wieder Sternkarten à la Karkoschka etc. empfohlen. Sie eignen sich sicher gut für die Auswahl der zu beobachtenden Objekte, aber für das Suchen (bzw. Finden!) eignen sie sich in meinen Augen weniger. Zum einen ist der Abbildungsmaßstab recht klein, d.h. der im Okular abgebildete Himmelsausschnitt ist im Atlas nur ein kleiner Kreis, zum anderen ist durch die zumeist seitenverkehrte und kopfstehende Abbildung im Fernrohr eine Orientierung nur für solche Beobachter möglich, die sich auch problemlos auf Linksverkehr einstellen können ;-).

Ich verwende fast ausschliesslich Aufsuchkarten, die ich mir mit Hilfe der oben erwähnten Software Carts du Ciel selbst angefertigt habe. Wichtig ist zunächst die Auswahl eines hellen "Leitsterns", der auch im Sucher leicht gefunden werden kann. Beispiel: von Beta Cas (Algol) zu M34

Für großes Bild (72 k) klicken Mit Hilfe des maßstabsgerecht eingeblendeten Gesichtskreises des verwendeten Okulars erhält man eine sehr gute Vorstellung davon, was man im Teleskop sehen müsste. Nun kann man sich über markante Sternformationen Schritt für Schritt an das Objekt der Begierde heranarbeiten ("Star hopping"). Wichtig ist eine gute Ausrichtung des Teleskops, denn dann kann man sich auch gut am Koordinatengitter "entlanghangeln". Für visuelle Zwecke reicht dazu eine einfache "Libelle" und ein Kompass aus, für Fotos ist ein Polsucher oder das Ausrichten nach der Scheiner-Methode unbedingt notwendig.

Konkrete Beobachtungsberichte


Beim Lesen (und Bewerten) der Berichte ist das Datum zu beachten, ich bin inzwischen
sicher, daß ich einige Objekte der jüngeren Zeit zu Beginn der Beobachtungen noch nicht
gesehen hätte ! (Wenn kein Scope aufgeführt ist, wurde mit N114 beobachtet.)

Objekt


Astrofotografie

Dieses Kapitel habe ich vorerst vom Netz genommen, denn mit chemischer Fotografie beschäftigt sich heute kaum noch jemand. Für digitale Deep-Sky-Fotografie fehlt mir im Moment ein wenig die Zeit, aber es steht zumindest mal auf der Tagesordnung. Wer meine bisherigen Ergebnisse trotzdem noch sehen will, guckt hier.

Galaxy Zoo

Auf der Seite www.galaxyzoo.org können sich Amateurastronomen der ganzen Welt an einm faszinierenden Projekt beteiligen: Der Klassifizierung von Galaxien, die im Rahmen des Sloan Digital Sky Survey aufgenommen wurden. Die Chancen, dabei ein spektakuläres (neues) Objekt zu finden, stehen gar nicht schlecht, wie das Beispiel von Hanny's Voorwerp zeigt. Hier einige meiner schönsten "Entdeckungen":



LINKS

ASTRONOMIE.DEEin absolutes "Muß" für alle (deutschsprachigen) Amateurastronomen. In den Diskussionsforen findet man Antwort auf jede Frage, die Händlerdatenbank ist umfangreich und der Gebrauchtwarenmarkt besser als e-Bay.
Harald RottensteinerEine der besten privaten Astro-Seiten. Unmengen von Beobachtungsberichten, Fotos etc. pp.
CalSKYSehr gutes Tool zur Planung und Vorbereitung von Beobachtungen. Für den Beobachterstandpunkt werden alle wichtigen Ereignisse des gewünschten Zeitraumes berechnet (Auf-, Untergänge, Iridium-Flares, GRF und vieles andere mehr. Prädikat: Sehr wertvoll !
Wolfgang Strickling Schnörkellose (und damit schnelle!) Homepage von Wolfgang Strickling mit sehr vielen praktischen Tipps zu Teleskopen und deren Zubehör. Am besten auf der HD speichern, kann man immer wieder nachlesen.