Andere exotische Pflanzen

Zu meinen geliebten Kakteen kamen im verlauf der Zeit auch eine Reihe anderer (mehr oder weniger) exotischer Pflanzen, über deren Haltung in unseren Breitengraden im Web nicht sehr viel zu finden ist. Deshalb an dieser Stelle einige Erfahrungen und Impressionen.


Yuccas

Die Art Yucca filamentosa ist in Mitteleurpa absolut winterhart und lebt bei mir seit vielen Jahren ungeschützt. Die Art als solche ist zumindest hier im Südwesten sehr häufig anzutreffen, alleding sind es eher kleine Pflanzen, die man in den Gärten sieht. Der Zufall hat mir einen Klon in die Hände gespielt, der über die Jahre Blättlängen von weit über 1 m entwickelt hat. Die regelmäßig entstehenden Blütenstände erreichen eine Höhe von 2 m und mehr. Sie Pflanze sprosst reichlich, wenn man die Jungpflanzen sorgfältig entfernt, ohne die Wurzel stark zu beschädigen, kann man die Pflanze leicht vermehren. Sie ist Böden gegenüber absolut unkritisch.

In 2007 habe ich mir Samen von Yucca rostrata bestellt, eine Art, der man ebenfalls eine gewisse Winterhärte nachsagt. Im Gegensatz zu Y. filamentosa sind sie im Alter stammbildend und bieten damit einen sehr reizvollen Anblick. Die Samen haben gut gekeimt und die Pflänzchen gedeihen prächtig, allerdings überwintern sie im Moment noch im geheizten Gewächshaus ... Bei einem Züchter habe ich adulte Importpflanzen aus Mexiko gesehen, die den ersten Winter zwar überstanden, von ihrer Pracht jedoch einiges eingebüsst haben. Ich hoffe, dass ich meine Zöglinge besser abhärten und damit akklimatisieren kann.


Farne

Da es in unserem Garten auch einige schattige Ecken gibt, entstand die Idee, es einmal mit Farnen zu versuchen. Am Anfang standen einige einheimische Arten aus dem Baumarkt, aber eines Tages stiess ich auf sehr interessant gefärbt Kulturhybriden aus Fernost. Und sofort war der Instinkt "Haben wollen!" geweckt. Umgehend wurden bei einer spezialisierten Farngärtnerei einige dieser schönen Pflanzen geordert. Hier einige Beispiele:
Adiantum nipponicum "metallica"
Variante von Polypodium vulgare mit gespaltener Blattspitze
Asplenium trichomanes ist kein Exot, man findet ihn überall in den Alpen

Alle Pflanzen haben den langen und harten Winter 2009/10 gut überstanden und im späten Frühjahr kräftig ausgetrieben.

Ein besonderes Highlight bildet seit einigen Monaten ein tasmanischer Baumfarn, Dicksonia antarctica. Die abgestorbenen Wedel dieser Art bilden im Verlauf der Zeit einen Stamm, der in ihrer Heimat eine beachtliche Höhe erreichen kann. Seit einiger zeit ist der Import von Zuchtpflanzen erlaubt, und so erreichen blatt- und wurzellose Stümpfe den europäischen Kontinent. Sobald die Temperatur 15 °C überschreitet, beginnen sich aus dem Stamm neue Wedel regelrecht "herauszurollen". Sie werden leicht 1,2 m lang und 20-30 cm breit. Die Wurzeln der Pflanze bilden sich hauptsächlich im Stamm, deshalb muss dieser stets feucht gehalten werden und giessen soll man nur in den Schopf der Pflanze. Bei mir haben sich nach drei Monaten noch keine Wurzeln in klassischen Sinne, also unten am Stamm, entwickelt. Bei guter Witterung und Pflege (häufig düngen!!) kann man pro Woche mit einem neuen Wedel rechnen. Das Bild links zeigt meine Pflanze kurz nach dem Kauf (Ende Mai 2010), rechts im Juli.
Im Herbst habe ich die Pflanze in die Wohnung geholt und zunächst warm und hell gehalten. Trotzdem sind die Wedel (vermutlich wegen zu geringer Luftfeuchtigkeit) relativ schnell vertrocknet. Anfang Dezember wurde die Pflanze in den dunklen, aber kühlen (14 °C) Keller umgesiedelt. Das Eintrocknen konnte gestoppt werden, und seit Ende Januar beginnen sich langsam neue Wedel zu bilden. Durch den Lichtmangel werden diese allerdings länger als die im Sommer entstehenden. Inzwischen haben sich vermutlich auch "richtige" Wuzeln gebildet, denn der Stamm sitzt nun sehr fest in seinem Kübel. Ende Sommer 2011 sind 9 Wedel zu zählen und ich weiß nicht, wie ich das Teil im Herbst ins Haus bekommen soll ...

Agaven

Den Anfang meiner Agaven-Sammlung machte ein Ableger einer in Südfrankreich wild wachsenden Agave americana. Sie stammt aus Amarika (nomen es omen :-), ist jedoch inzwischen weltweit in frostfreien Gebieten beheimatet. Als ganzjährige Bereicherung meines Steingartens soll eines Tages Agave neomexicana dienen. Ihr wird Frostresistenz bin -20 °C nachgesagt, allerdings benötigt sie dafür einen trockenen Standort (Regenschutz).
Einzig und allein ihrer Schöhnheit willen habe ich mir noch eine Agave victoriae-reginae zugelegt. Sie bildet als adulte Pflanze einen sehr schönen symmetrischen Schopf aus.

Agave americana Agave victoriae-reginae Agave neomexicana

Titanenwurz & Co.

Nach einem Besuch in der Wilhelma Stuttgart (ein MUSS für jeden Freund exotischer Pflanzen) entstand der spontane Wunsch nach dem Besitz einer der spektakulärsten Pflanzen der tropischen Flora: Dem Titanenwurz (Amorphophallus titanum). Dieses eigenartige Gewächs, welches nur auf Sumatra vorkommt, treibt im Frühjahr ein einziges Blatt, welches in voll ausgebildeter Form eher einer kleinen Baumkrone ähnelt. Das eigentlich Spektakuläre an dieser Pflanze ist jedoch ihr Blütenstand, der im Alter eine Höhe von über 2 m erreichen kann. Die Botanischen Gärten aller Welt wetteifern um den Rekord der größten Blüte. Bei mir wird es mit der Blüte wohl noch ein wenig dauern, die Pflanze ist geschätzte fünf Jahre alt. Die Blüte ist für die Bestäubung durch Fliegen und Käfer bestimmt, sie sondert daher einen intensiven Aasgeruch ab. Da das einzige Blatt im Herbst eingezogen wird, kann man die Wurzelknolle dann ausgraben und trocken im Keller überwintern. Das Wachstum setzt ein, wenn die Temperaturen 20 °C überschreiten. Im Sommer kann die Pflanze in einem großen Topf oder Kübel gut an einem schattigen Platz im Garten stehen. Sie sollte stets feucht gehalten werden.

10. April 2010
Die Knolle im Anlieferungszustand
03. Juni 10
Nach 4 Wochen die erste Spitze
12. Juni
Die Spitze gibt das Blatt frei
19. Juni
Die Pflanze entwickelt sich rasant
26. Juni
Das Blatt entfaltet sich
04. Juli
Die Entwicklung ist abgesclossen
30. September 2010
Innerhalb weniger Tage wurde das Blatt abgestossen, darunter ist der Austrieb des nächsten Jahres zu sehen. Die Knolle ist um 4 cm gewachsen.
2011 habe ich die Knolle bereits im April eingepflanzt, so dass nun (Anfang Juni) schon ein deutlicher Entwiclungsvorsprung vorhanden ist.

Der kleine Verwandte des Titanenwurzes ist der Eidechsenwurz Typhonium venosum. Sein gefiedertes Blatt erreicht ca. 50 cm Höhe, die Blüte wird ungefähr genau so groß. Ich habe eine Mini-Knolle geschenkt bekommen, sie wächst unter dem Titanenwurz. Wenn es vorzeigbare Bilder und Erfahrungen gibt, werde ich sie hier einstellen.

Steingartengewächse

Neben den obligaten Steinrosen (Sempervivum) in allen Formen und Farben haben auch einige Exoten den Weg in mein Alpinium gefunden. Eine der schönsten Pflanzen ist Orostachys spinosus (Sternwurz). Sie ist eigentlich in Asien beheimatet und entwickelt im Verlauf des Jahres eine interessante Wuchsform. Während die äusseren Blätter eine Länge von 10-15 mm entwickeln, bleiben die von innen nachwachsenden Blätter eine kompakte Rosette. Der Blütenstand erreicht bis zu 30 cm, wurde aber von mir noch nicht beobachtet. In gut durchlässigem Boden ist die Pflanze absolut winterhart, sie liebt einen sonnigen Standort und sprosst reichlich. Allerdings werden die äusseren Blätter gern von Schnecken vernascht.

Eine interessante Steinrechhybride habe ich von einer Kakteenbörse mit gebracht - Saxifraga X "Grey Owl". Sie gedeiht bevorzugt auf kalkhaltige Böden und bildet einen sehr ausdauernden, ca. 20 cm hohen Bütenstand aus. Stark verzweigend und mit sehr schönen Blüten kommt Saxifraga androsacea daher. Aus Japan stammt eine sehr interessante Steinbrechart, deren Wuchsform und Blüten überhaupt nicht an ihre hiesigen Verwandten erinnern: Saxifraga fortunei. Von dieser Art existieren weltweit zahlreiche Kultuformen. Im Gegensatz zu den anderen Arten bevorzugen sie feuchte und schattige Standorte, ihre eigenartigen Blüten erscheinen erst im späten Herbst.

Orostachys spinosa Saxifraga "Grey Owl" Saxifraga androsacea Saxifraga fortunie "Mt. Nachi"